In meiner Arbeit als Therapeutin habe ich immer wieder erlebt, dass Heilung dort beginnt, wo Menschen sich selbst wieder begegnen – mit ihren Verletzungen, ihren Stärken und ihrer Sehnsucht nach einem erfüllten Leben.
Ich möchte dafür Räume schaffen. Einer der besten Räume dafür ist die Gruppentherapie.
„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden“ (Virginia Satir, Begründerin der systemischen Therapie)
Wenn dies geschieht, geschieht Kontakt.
Es darf alles sein, wir dürfen gemeint sein. In unserer Kindheit haben wir oft erlebt, wenn ein Erwachsener unseren Namen rief, hatten wir etwas falsch gemacht und wurden vielleicht bestraft. Unsichtbar zu sein war manchmal eine gute Überlebensstrategie. Die Akzeptanz der Gruppe wirkt hier oft wie ein heilender Balsam. Wir lernen, aus unserem Schatten hervorzutreten, unsere Bedürftigkeit zu zeigen und sichtbar und liebevoll aufgehoben zu sein. Dabei ist es wichtig, von mehreren Augenpaaren gesehen zu werden und nicht nur von einem einzelnen Therapeuten, der dafür bezahlt wird. Eine Gruppe ist nicht käuflich.
Durch Reflexion in der Gruppe kann jeder sein eigenes Weltbild überprüfen. Durch offenes Feedback erfährt ein Gruppenteilnehmer, wie er auf Andere wirkt und kann überlegen, ob er dass so will oder sein Verhalten entsprechen ändert
In einer Gruppe begegnen wir nicht nur Menschen, sondern inneren Werten, Lebensmodellen und Überlebensstrategien. So bekommen wir Zugang zu einer kollektiven Intelligenz.
„Wie oben, so unten“ oder „Wie außen, so innen“ – die Gruppe ist immer ein Abbild der Gesellschaft, der Herkunftsfamilie oder der aktuellen Konflikte der Teilnehmer. Mit Hilfe von Rollenspielen, Wahrnehmungs- oder Kommunikationsübungen, bei denen die Teilnehmer unweigerlich in einen emotionalen Kontakt treten, werden diese Konflikte sichtbar. So entstehen in der Gruppe neue Normen, von denen der Einzelne vielleicht abweicht. Diese Normen üben eine heilsame Wirkung auf den Einzelnen aus und sind eine spirituelle Orientierungshilfe. Jedes Individuum lernt oder verändert sich, wenn es begreift, dass das, was im Gegenüber passiert, ein Spiegel seines unbewussten Innenlebens ist. „Wie innen, so außen“ – wenn die Gruppe im Kleinen einen harmonischen Wachstumsprozess durchläuft, der von Liebe, Mitgefühl und wohlwollender Kommunikation geprägt ist, so entsteht ein Raum und eine Energie, die wie Regentropfen auf der Wasseroberfläche ihre Kreise weit über die Gruppe hinaus in die Welt trägt.